Was bedeutet Stress?

Stress bedeutet, grob gesagt, dass wir eine Belastung nicht mehr bewältigen können oder auch nur denken, dass wir es nicht können. Selbst das Gefühl, dass wir vor einem scheinbar unüberwindbaren Hindernis stehen, kann Stress in uns auslösen. Der Blutdruck steigt, unser Herz schlägt schneller, die Verdauung verändert sich. Im Körper passiert einiges, wenn gestresst sind.

Was führt zu Stress?

Im 21. Jahrhundert können wir kaum unbeeinflusst von Stress sein. Unser Leben hat sich in eine Richtung entwickelt, die oftmals anstrengend ist.
Im Briefkasten warten mehr Hiobsbotschaften als Liebesbriefe und Grußkarten. Der Terminkalender quillt über. Einkaufen müssten wir auch noch, aber bitte nur frische und gesunde Lebensmittel, die schnell zubereitet werden können.
Wir leben in einer Welt voller Widersprüche und hetzen von einer Aufgabe zur nächsten, immer schon den kommenden Termin im Hinterkopf.
Ein Leben auf der Überholspur.

Woran liegt das?
Sind die gesellschaftlichen Anforderungen schlichtweg zu hoch?
Oder sind es vielleicht die persönlichen Anforderungen?

Vermutlich ist es ein Mix aus beidem. Viele Menschen haben einen neuen, ständigen Begleiter – das schlechte Gewissen.
Ein schlechtes Gewissen, weil man zu wenig Zeit für die Familie hatte, für Freunde, für die Arbeit.
Ein schlechtes Gewissen, weil der Staubsauger seit Tagen unberührt in der Ecke steht, der Wäschekorb überquillt, der Kühlschrank leer ist.
Die Mahlzeit war nicht gesund genug, die Gute-Nacht-Geschichte für die Kinder war zu kurz.

All dies führt zu einem schlechten Gewissen, und dieses führt zu einem fast dauerhaft gestressten Geist.

Aus der Weiss-Therapeutischen Perspektive verstehen wir Stress sogar als DIE Hauptursache für Abhängigkeiten und Süchte.
Durch eine Sucht bringen wir auch Kontinuität in unser Leben. Wir Menschen mögen Kontinuität.

Wenn jeder Tag neue und unterschiedliche Herausforderungen für uns bereithält, dann ist das Glas Wein am Abend oder die Zigarette am Morgen eine willkommene Beständigkeit, auf die Verlass ist.

Stress schleicht sich auf den verschiedensten Wegen in unser Leben ein.

Es setzt oft eine Spirale in Gang, aus der nur schwer wieder rauszukommen ist.
Umso gestresster wir sind, umso mehr verlangt unser Körper und auch unser Geist nach Entspannung.

Diese Entspannung kann auf natürlichem Weg erreicht werden, beispielsweise durch Wandern oder Sport, ein schönes Buch oder ein ausgedehntes Essen mit Freunden. Jeder Mensch hat seine eigene Methode, mit der er abschalten kann.

Und genau hier kommt uns das Leben in die Quere.

Um auf natürliche Weise zu entspannen und Stress abzubauen, benötigen wir Zeit.

Eine Wanderung kann man nicht mal eben in fünf Minuten unternehmen. Für ein Buch muss man sich auch Zeit nehmen oder für ein Essen mit Freunden.
Zeit ist unser höchstes Gut, was wir, durch den Stress, den wir in unserem Leben haben, aber völlig ausreizen. Deshalb greifen wir zu Mitteln, die uns kurzfristig entspannen, wie der Zigarette oder dem Glas Wein.

Wir suggerieren uns damit, dass wir entspannen, ohne es tatsächlich zu tun.

Für unseren Geist ist es angenehm, aber für unseren Körper ist es Gift und bedeutet nur noch mehr Arbeit. Und damit gehen wir, vollkommen unbemerkt, den ersten Schritt in Richtung Sucht.

 

Wie können wir Stress nun auf natürliche Weise abbauen?

Indem wir uns Zeit nehmen. Zeit für uns selbst.
Ja, Hobbys sind meist zeitaufwendiger als eine Zigarette zu rauchen, aber sie sind für uns so viel mehr, als wir ihnen zugestehen. 
Sich wirklich einmal bewusst Zeit für sich zu nehmen und abzuschalten ist unfassbar wertvoll und wichtig für unser Wohlbefinden.

Es hilft uns nicht nur für den Moment, sondern unterstützt uns dabei, auch zukünftig besser mit Stresssituationen umzugehen.

Nehmen Sie sich Zeit.

Nehmen Sie sich wichtig.

Nehmen Sie Hilfe an.

Eine weitere Hilfe, um Stress abzubauen, ist, sich die richtigen Fragen zu stellen.

Was ist wirklich wichtig?
Die Beantwortung dieser Frage ist natürlich sehr individuell. Wenn wir einen kranken Menschen fragen, wird die Antwort vermutlich Gesundheit sein. Fragen wir einen unglücklich verliebten Menschen, wird die Antwort wahrscheinlich eher auf Glück und Liebe ausgelegt sein.
Dennoch könnte es schon heilsam sein, sich diese Fragen zu stellen und dadurch eine neue Sichtweise auf das Leben zu gewinnen.

Viel zu oft ist uns die Meinung anderer Menschen enorm wichtig und setzt uns unter Druck. Wir sollten viel öfter hinterfragen, warum uns das so wichtig ist.
Wir müssen gar nicht von jedem Menschen, in unserem Umfeld, gemocht werden.
Viel wichtiger sollte es für uns sein, ob wir denn die anderen Menschen alle mögen. Und auch hier ist es vollkommen in Ordnung, wenn die Antwort „nein“ lautet.

Wir stressen uns oft völlig unnötig, wenn wir uns vorher nicht diese wichtigen Fragen stellen.

Ist Stress ansteckend?

Sind Sie schon einmal morgens zur Arbeit gekommen und wurden direkt von einem missmutigen Kollegen oder einer missmutigen Kollegin begrüßt?
Der Montag ist sehr berühmt für schlechte Laune auf der Arbeit. Abgesehen davon, dass diese Tatsache an sich schon traurig ist, haben vermutlich viele Menschen bereits erlebt, dass Kollegen/innen ihren Unmut sehr frei kundtun. Vielleicht gehören Sie auch selbst hin und wieder dazu.
Zu welcher Reaktion führt das?

Es steckt an. Es ist deutlich schwerer gut gelaunt zu sein, wenn das Umfeld es nicht ist. Diese Situation stresst uns. Wir haben uns in den Sog ziehen lassen und meistens haben wir es nicht mal bemerkt.
Auch hier ist es wieder wichtig die richtigen Fragen zu stellen.

Die Situation, die Sie heute stresst – ist die in einer Woche noch relevant? Wie sieht’s in einem Monat oder in sechs Monaten aus?
Werden Sie dann überhaupt noch daran denken?

Also warum dann heute darüber aufregen?

Ein weiterer Tipp, um mit Stress besser umzugehen:

Leben Sie nicht in der Vergangenheit. Es gibt bestimmt etwas, was in der letzten Zeit nicht so gelaufen ist, wie Sie es gern gehabt hätten.
Dadurch, dass es bereits passiert ist, können Sie es heute nicht mehr ändern. Sie können daran arbeiten, dass es nicht nochmal passiert und eventuell müssen Sie noch ein paar Scherben aufwischen, aber die Tatsache, dass es passiert ist, ist endgültig.

Lassen Sie es los.

Das Loslassen kann ein Prozess sein. Nur, weil Sie im Augenblick diese Zeilen lesen, wird nicht alles sofort wieder gut. Geben Sie dem Prozess etwas Zeit und trainieren Sie ihn.
Es werden Ihnen im Leben noch weitere Fehler passieren, es wird Situationen geben, bei denen Sie im Nachhinein denken, Sie hätten besser reagieren können. Das ist das Leben und das ist auch gut so.
Denn mit jeder dieser Situationen, können Sie lernen besser umzugehen, und so wird sich der Prozess des Loslassens immer weiter verkürzen und Sie können Ihre Gedanken wieder auf die wirklich wichtigen Dinge richten.

Buch-Tipp:
Amir Weiss geht in seinem Buch intensiv auf die Thematik ein und zeigt anschaulich den Zusammenhang von Stress und den daraus resultierenden Süchten und Gewohnheiten.

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